Dienstag, 1. Juni 2010

Eine politische Todsünde

http://nachrichten.t-online.de/koehlers-umstrittene-aeusserungen-zum-afghanistan-einsatz/id_41842208/index


War der Rücktritt von Bundespräsident Köhler gerechtfertigt oder nicht? Die Diskussion darüber ist mehr als kontrovers, von "Fahnenflucht" bis "Er hat Recht!" reichen die Meinungen darüber.
Was war eigentlich los? Nach einem Afghanistanbesuch hatte Köhler in einem Radiointerview unter anderem folgendes gesagt, Zitat:

"Meine Einschätzung ist aber, dass insgesamt wir auf dem Wege sind, doch auch in der Breite der Gesellschaft zu verstehen, dass ein Land unserer Größe mit dieser Außenhandelsorientierung und damit auch Außenhandelsabhängigkeit auch wissen muss, dass im Zweifel, im Notfall auch militärischer Einsatz notwendig ist, um unsere Interessen zu wahren, zum Beispiel freie Handelswege, zum Beispiel ganze regionale Instabilitäten zu verhindern, die mit Sicherheit dann auch auf unsere Chancen zurückschlagen negativ, bei uns durch Handel Arbeitsplätze und Einkommen zu sichern."

Hierfür hatte er jede Menge Hiebe einstecken müssen. Selbst aus dem Lager seiner Förderer kam keine Unterstützung, wobei Schweigen in diesem Fall möglicherweise als solche gesehen werden könnte.
Aufgrund der Kritik für oben zitierte Äußerung ist Horst Köhler gestern zurückgetreten, um, wie er sagt, das Amt nicht zu beschädigen.

Es gibt immer zwei Wahrheiten: Die öffentlich erzählbare und die tatsächliche
Für mich ist es fraglich, ob es überhaupt Kriege gibt, die aus einem anderen Grund geführt werden als aus Wirtschaftsinteressen heraus. Natürlich kann man das der Öffentlichkeit nicht erzählen. Diese muss vielmehr durch die Nennung plausibel klingender Gründe auf Kriegskurs eingestimmt werden.

Lange Zeit diente zu diesem Zweck die Religion: Nur wenige Dinge sind so geeignet, Menschen gegeneinander aufzubringen, wie die "Tatsache", dass der Gegner zum "falschen" Gott betet.
Dank der Aufklärung funktioniert dieses Prinzip bei uns nur noch rudimentär. Dennoch kann man davon ausgehen, dass gegen den Afghanistan-Einsatz wesentlich mehr kritische Stimmen zu hören wären, wenn es sich um ein christliches Land handeln würde. Aber das nur am Rande.

Eine weitere Triebfeder, Völker für Kriege vorzubereiten, ist der Nationalstolz. "Volk ohne Raum". Funktioniert bei uns aber zum Glück auch nicht mehr.

Klappt es mit den religiösen oder chauvinistischen Argumenten nicht mehr so gut, braucht es andere Gründe. Sicherheit!, ja das ist es. "Die Sicherheit Deutschlands wird am Hindukusch verteidigt!". Genau. Haben nicht die Spießgesellen Osama Bin Ladens (bei denen der religiöse Schalter noch funktioniert) am 11.09.2001 hervorragende Symbolbilder geliefert, die jedes Vorgehen rechtfertigen? Nehmen wir noch ein paar Menschenrechte zum Drüberstreuen: Ja, wir sorgen für die Durchsetzung der Menschenrechte in dem angegriffenen Land, sogar für die Rechte der Frauen. Die interessieren uns zwar in den anderen Ländern der Welt ansonsten einen Scheißdreck, aber darüber müssen wir ja nicht reden: Der öffentliche Kriegsgrund ist gefunden. Dass in Afghanistan auch große Erdölvorkommen lagern, erwähnen wir da gar nicht. Und wenn, dann nur, um zu beteuern, dass diese Bodenschätze dem Wiederaufbau des zerstörten Landes zugute kämen.

Nein, es gibt wohl nie andere Gründe für Kriege als wirtschaftliche. Und genau aus diesem Grunde versuchen Machthaber aller Länder, die Menschen so gut es geht bei der Stange von Religion, Nationalstolz, Lebensangst oder irgendwelchen Utopien zu halten: Sie brauchen diese psychologischen Massenschalter, die sie nach Belieben umlegen können, um die Menschen auf ihre Wirtschaftskriege einzustimmen. Oder wäre irgend jemand bereit, für irgendwelche Wirtschaftsinteressen, von denen er selbst nicht viel hat, sein Leben zu riskieren?

Horst Köhlers Fehler war es, die öffentliche erzählbare und die tatsächliche Wahrheit zu verwechseln. Er hat sozusagen aus dem Nähkästchen geplaudert, was eine politische Todsünde darstellt. Ob es richtig war, daraus die Konsequenz des Rücktritts zu ziehen?

Nun, sollte der Rücktritt tatsächlich seine eigene Entscheidung gewesen sein, dann finde ich ihn objektiv gesehen falsch. Doch ob es sich tatsächlich so verhielt, wage ich nicht zu beurteilen ...

Sonntag, 30. Mai 2010

Eurovision Song Contest: Herzlichen Glückwunsch Lena!

http://unterhaltung.t-online.de/raab-gewinnt-grand-prix-wette-10-000-euro-auf-lenas-sieg-gesetzt/id_41830580/index

Lena Meyer-Landrut hat in Oslo gesiegt. Und Stefan Raab hat seine 10.000-Euro-Wette gewonnen. Da gibt es nur eines zu sagen: Herzlichen Glückwunsch!

Wir sollten uns mitfreuen, statt den Erfolg durch überflüssige Diskussionen zu zerreden, á la "Andere waren aber besser". Dass dieses Jahr nach langer Zeit mal wieder einige gute Titel dabei waren und Deutschland trotzdem gewonnen hat, das ist doch mal was!

Ich für meinen Teil freue mich über das positive Ereignis und hebe mir meine (zugegeben nicht geringe) Kritikfähigkeit lieber für lebenswichtigere Dinge auf, wie die Verschwendungssucht unserer Politiker, die praktisch unbezahlbare Staatsverschuldung und die bürokratische Schlinge, die um unseren Hals liegt. Lena hat, im Gegensatz zu unseren Volksvertretern, einen hervorragenden Job gemacht.




Der Kesselheizer des Satans: Charles Scicluna

http://nachrichten.t-online.de/vatikan-strafverfolger-droht-kinderschaendern-mit-der-hoelle/id_41831540/index


Pädophile Priester sollen in der Hölle schmoren, wenn es nach Charles Scicluna, dem vatikanischen Strafvervolger geht.

Das nenn ich doch mal eine interessante Art der Strafverfolgung: Bekümmern wir uns nicht weiter um die weltliche Justiz, denn nach dem Tod geht es plötzlich gerecht zu. Gott wird alles regeln, und der Teufel und seine Spießgesellen fahren auf Geheiß des Vatikan wieder einmal Sonderschichten. Schon immer, munkelt man, sollen ja die vatikanischen Verbindungen nach unten hervorragend gewesen sein, ja, fast stärker noch als die nach oben.

Lehnen wir uns also zurück und warten wir auf die nächste Umdrehung der ewigen Mühle der Gerechtigkeit.
Lassen wir den Dingen ihren Lauf und erfreuen wir uns an der Weisheit Gottes.
Diese Vorgehen hat mehrere Vorteile: Ersten ersparen wir uns unnötigen Ermittlungsaufwand, und zweitens werden auf diese Weise auch die Opfer für den Glauben erhalten bleiben, denn er bietet ihnen die Gewähr auf eine, wenn auch späte, Genugtuung: Satan, heiz schon mal den Kessel an!

Samstag, 22. Mai 2010

Vier Staffordshire-Terrier beißen dreijähriges Mädchen tot

http://nachrichten.t-online.de/thueringen-kampfhunde-beissen-dreijaehriges-maedchen-tot/id_41764140/index


Schon lange tobt die Diskussion um eine Verschärfung der Gesetzgebung in Sachen Haltung sogenannter Kampfhunde. Doch bisher konnte sich der Gesetzgeber nicht zu einer drastischen Regelung durchringen.

Warum sind Menschen so instinktlos geworden? Würde ein Tier seine hilflosen Jungen in die Nähe von Raubtieren bringen? Oder mit gefährlichen Tieren welcher Art auch immer gar noch seine Höhle teilen? Nein! Solchen sinnlosen Gefahren setzen nur Menschen ihre Jungen und alle anderen Mitmenschen aus, und das, obwohl der Mensch angeblich das einzige vernunftbegabte Wesen auf der Erde ist.

Was nützt alle Vernunft, wenn die Instinkte fehlen?
Wenn sie dann noch nicht einmal ausreicht, um das, was dem Menschen an Gespür für Gefahr abgeht, wenigstens durch eine klare Gesetzgebung auszugleichen?

Stattdessen ist nun wieder ein Mensch tot. Während tausende solcher Kampfmaschinen noch immer mitten unter uns ihre Kreise ziehen. Das ist einfach nur traurig. Und ein unglauliches Armutszeugnis für die menschliche Spezies, die eines Tages aufgrund der Degeneration ihrer Instinkte aussterben wird.

Freitag, 21. Mai 2010

Hausunterricht straffrei stellen - Eine diskussionswürdige Petition

Auf der Website des Deutschen Bundestages findet sich momentan eine Petition mit dem Titel "Hausunterricht straffrei stellen", eingereicht von Herrn Matthias Wolf, die noch bis zum 16.06.2010 gezeichnet werden kann.
(URL: https://epetitionen.bundestag.de/index.php?action=petition;sa=details;petition=11495 )

Meine Meinung dazu: In Anbetracht eines immer umstritteneren Bildungssystem darf es keine Denkverbote geben. Deshalb sollte das Thema ernsthaft diskutiert werden.

Löst der Staat die Verpflichtungen ein, die er mit der Errichtung seines Bildungsmonopols eingegangen ist?

Dies ist für mich die Kardinalfrage in diesem Zusammenhang. Denn: Wenn er dies nicht tut, sollte er auch nicht mehr auf der sturen Einhaltung der Schulpflicht bestehen.
  • Laut ernstzunehmenden Statistiken ist heute jeder 20. Erwachsene ein funktionaler Analphabet. Das heißt, er hat so große Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben, dass er den Sinn längerer Texte in keiner Weise zu erfassen vermag. Quelle: MDR
  • Arbeitgeberorganisationen bemängeln seit geraumer Zeit eine wachsende Ausbildungsunfähigkeit, womit sie meinen, dass Lehrstellenbewerbern die grundlegenden Kenntnisse in Rechnen, Schreiben und Lesen abgehen und es ihnen an Allgemeinbildung erheblich mangelt.
  • Ein Buch wie »Generation Doof« wurde in kürzester Zeit zum Bestseller. Dies kann nichts anderes bedeuten, als dass auch die Allgemeinheit das Problem längst erkannt hat.
  • Die Schule wird heute als sehr bedeutsam angesehen, wenn es darum geht, Sozialkompetenz zu erwerben. Bedenkenlos wird das Wortungetüm übernommen und weitergegeben, meist, ohne zu hinterfragen, was eigentlich dahinter steht, und ob dieser Anspruch auch wirklich eingelöst wird. Zitat aus Wikipedia: Soziale Kompetenz, häufig auch Soft Skills (oder fälschlich Softskill bzw. Soft Skill) genannt, bezeichnet den Komplex all der persönlichen Fähigkeiten und Einstellungen, die dazu beitragen, individuelle Handlungsziele mit den Einstellungen und Werten einer Gruppe zu verknüpfen und in diesem Sinne auch das Verhalten und die Einstellungen von Mitmenschen zu beeinflussen. Soziale Kompetenz bezeichnet somit die Gesamtheit der Fertigkeiten, die für die soziale Interaktion nützlich oder notwendig sind. Zitat Ende.
Klingt gut. Zugegeben. Doch wenn die Schule den magischen Ort darstellt, an dem solche Fähigkeiten erworben werden, dann habe ich einige Fragen:

  • Woher kommen die verstärkten Klagen von Schülern über Mobbing durch ihre Mitschüler, oder gar durch Lehrer?
  • Warum betrinken sich jugendliche Schüler in regelmäßigen Abständen nach der Zeugnisvergabe bis zur Besinnungslosigkeit, weil sie nun diesem zauberhaften Ort des "Wir-Haben-Uns-Alle-Lieb" für sechs Wochen entrinnen dürfen?
  • Und eine genau so wichtige Frage: Warum scheint das niemanden zu stören? Ist es mangelnde soziale Kompetenz, die zu solcher Gleichgültigkeit führt? Aber wo kommt die her? Wir waren doch alle in der Schule?
Natürlich gibt es auch Argumente, die GEGEN eine Ersetzung der Schulpflicht durch eine Bildungspflicht sprechen:

  • Kinder könnten von weltanschaulich verbohrten Eltern indoktriniert, vielleicht sogar während des Hausunterrichts misshandelt werden.
  • Sie fühlen sich eventuell als Außenseiter, die wenig Kontakt zu Gleichaltrigen haben.
  • Auch ist es fraglich, ob Eltern, gerade bei älteren Schülern, die Befähigung haben, ihnen die Feinheiten aller Fächer zu vermitteln.
All diese Argumente müssen öffentlich diskutiert werden. Es ist höchste Zeit dazu. Denn in anderen Ländern, wo diese Frage weniger ideologisch gefärbt gehandhabt wird, scheinen die Menschen auch nicht dümmer oder ungebildeter zu sein als hier bei uns. Also: Befürworter des sogenannten »Homeschooling« können sich als Unterstützer der Petition eintragen. Und Gegner haben die Möglichkeit, im Forum des Bundestags ihre Argumente einzubringen oder hier auf diesem Blog einen Kommentar zum Thema einzustellen.

Ein Lesetipp zum Thema »Schule als Ort des Wissenserwerbs«:



Ein Lesetipp zum Thema »Schule als Ort des Erwerbs von Sozialkompetenz«:



Weiterführender Link zum Thema:
http://www.magazin-auswege.de/2010/05/petition-bundestag-hausunterricht-straffrei/